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Dieser Artikel basiert auf dem Wikipedia-Artikel Schlafsack in der Fassung vom 13.1.2011. Die Versionsgeschichte kann dort eingesehen werden.
Datei:Israel 2 021 Sleeping Rucksack-Tourist.jpg

Der Schlafsack ist eine Hülle, in die man zum Schlafen hineinschlüpft und die den Körper allseitig mit Ausnahme von Kopf oder Gesicht (je nach Modell) umschließt. Er besteht je nach speziellem Verwendungszweck aus einfachem Leinen, Baumwolle, Vliesstoffen oder Seide/Kunstseide und ist oft zur Wärmedämmung mit Kunstfasern oder Daunen gefüttert. Es gibt ihn in verschieden Formen (Rechteck-Form, Mumienform, mit Kapuze, mit Ärmeln etc.; die Grenzen zum Overall sind fließend) und mit verschieden Öffnungen (mit seitlichem Reißverschluss, in Schlupfform ohne Reißverschluss etc.).

Schlafsäcke ersetzen sowohl die üblichen Kombinationen aus Bettdecke, Kopfkissen und ggf. Unterbett, als auch deren Umhüllungen/Bespannungen (Bettwäsche: Bezüge, Laken, etc.). Schlafsäcke finden außerdem Verwendung als improvisierte Schlafstätte bei Übernachtung im Freien (Outdoor) oder im Zelt und auf Reisen, besonders im so genannten Rucksacktourismus und auf Expeditionen, häufig in Verbindung mit Isomatten oder Luftmatratzen als Schlafunterlage.

Bei der Verwendung im Außenbereich sind die wichtigsten Eigenschaften des Schlafsackes sein Temperaturbereich, in dem er warm hält, sein Gewicht und sein Packmaß.

Schlafsacktypen Bearbeiten

Mumienschlafsack Bearbeiten

Der Mumienschlafsack verdankt seinen Namen der gleich einer Mumie körpernahen Schnittform mit eingefasstem Kopf, die ein besonders hohes Wärmeretentionsvermögen bei vergleichsweise niedrigem Gewicht verspricht. Er wird deshalb vorwiegend zum Übernachten im Zelt oder im Freien verwendet; hochwertige Ausführungen mit aufwendiger Fütterung ermöglichen komfortablen Schlaf selbst noch bei extremem Frost. Zum Übernachten im Freien (ohne Zelt) werden Mumienschlafsäcke oft mit einem Biwaksack kombiniert, der als äußere Hülle zusätzlich wärmt und möglichen Niederschlag sowie Wind abhält.

Eine Variante der Mumienform ist die Eiform: Eiförmige Schlafsäcke sind besonders im Brust- und Hüftbereich deutlich breiter geschnitten als Mumienschlafsäcke und stellen so einen guten Kompromiss aus Wärmeretentionsvermögen und Schlafkomfort dar. Besonders für Personen, die sich im Schlaf häufig bewegen bzw. umdrehen, ist ein Ei-Schlafsack die beste Wahl.

Schlafsack mit Armen und Beinen Bearbeiten

Der Schlafsack mit Armen und Beinen hat eine Körperform, also Arme und Beine, was Vorteile bei der Beweglichkeit im Zelt oder am Zeltplatz gibt. Der Schlafsack mit Armen und Beinen eignet sich besonders gut für sehr nachtaktive Schläfer.
Datei:Sleeping bag with arms and legs.jpg

Expeditionsschlafsack Bearbeiten

Datei:Eingepackter Schlafsack.JPG

Ein Expeditionsschlafsack ist für die Bedürfnisse bei Expeditionen und beim Höhenbergsteigen konstruiert. Der Schlafsack muss seinen Benutzer vor Temperaturen bis unter −40 °C schützen können . Dazu besitzt der Expeditionsschlafsack eine extreme Dämmung. Man unterscheidet Kunstfaser- und Daunenschlafsäcke.

Kunstfaserschlafsäcke decken inzwischen im Extrembereich Temperaturen von bis zu −40 °C ab. Sie verwenden aufwendige Kunstfasern, die eine sehr hohe Wärmedämmung besitzen. Der Hauptvorteil von Kunstfaserschlafsäcken liegt in der Unempfindlichkeit gegenüber Wasser und Nässe. Sie sind aber in der Regel etwas schwerer als Daunenschlafsäcke.

Daunenschlafsäcke sind im Extrembereich bei Temperaturen von bis zu −50 °C geeignet. Die Schlafsäcke verwenden als Wärmedämmung Gänsedaunen. Das Mischungsverhältnis beschreibt die Relation von Daunen zu normalen Federn in der Füllung, je höher der Daunenanteil ist, desto besser dämmt der Schlafsack. Die Daune macht den Schlafsack aber auch druck- und feuchtigkeitsempfindlich. Im Expeditionsbereich werden Mischungsverhältnisse von 90/10 bis 97/3 (Daune:Federn) verwendet. Es gibt bei der Daunenfüllung Qualitätsunterschiede, sie wird als Loft oder Fillpower angegeben. Je höher der Loft, desto besser dämmt der Schlafsack.

Innenschlafsack Bearbeiten

Ein Innenschlafsack, auch als Inlett (nach dem englischen Wort „inlet“) bezeichnet, ist eine Art dünner Schlafsack aus Baumwolle, Vlies, Seide oder Kombinationen aus diesen Stoffen, der zusätzlich zu dem Schlafsack verwendet wird um zum einen den Temperaturbereich des Schlafsackes zu steigern, Feuchtigkeit während des Schlafes vom Körper abzuleiten und den Schlafsack zu schonen, um ihn nicht so oft reinigen zu müssen. Außerdem eignet sich ein Inlett bei warmen Temperaturen flexibel auch zum alleinigen Einsatz.

Leistungsangaben Bearbeiten

Die Temperaturangaben des Einsatzbereiches von Schlafsäcken beruhten in Deutschland bisher auf der DIN 7943. Die Europäische Norm EN 13537 ersetzte 2005 diese DIN-Norm durch einen differenzierteren Standard für die Temperaturangaben des Einsatzbereiches von Schlafsäcken. Der EN liegt ein labortechnisches Bewertungsverfahren zu Grunde, zudem findet die unterschiedliche Temperaturempfindung von Mann und Frau nun Berücksichtigung und wird, jeweils in eigenen Komfortbereichen, für beide Geschlechter getrennt ausgewiesen.

Der Komfortbereich beschreibt den Temperaturbereich, innerhalb dessen ein unerfahrener Nutzer sich jederzeit wohl fühlt. Zu beachten ist bei der Interpretation der Norm-Werte, dass die untere Grenze des Komfortbereichs beim Mann tiefer liegt als bei der Frau.

Innerhalb des Risikobereichs bzw. Überlebensbereichs ist mit starkem Kälteempfinden zu rechnen, bis hin zu dem Risiko von Gesundheitsschäden. Diese Angabe sollte nicht die Grundlage der Nutzungsentscheidung sein. Der Schlaf kann hier durch das starke Kälteempfinden häufig unterbrochen werden und ist nicht so erholsam. Unterhalb des Risikobereichs ist mit Erfrierungen zu rechnen.

Die EN-Norm bezieht sich auf zivile Schlafsäcke in denen mittelschwere, lange Funktionsunterwäsche getragen wird.

Angegeben wird nach Europäischer Norm EN 13537:

Der Komfortbereich (TCom) bezogen auf die „Norm-Frau“ (25 Jahre, 60 kg, 160 cm).

Der untere Grenzbereich (TLim), bezogen auf den Komfortbereich des „Norm-Mannes“ (25 Jahre, 70 kg, 173 cm). Er beschreibt den unteren Temperaturwert, bei dem der männliche Proband eine Nacht lang noch bequem schlafen kann.

Der Überlebensbereich (TExt). Er birgt das Risiko der Unterkühlung und sollte für den „normalen Konsumenten“ nicht als praktisch nutzbarer Bereich angesehen und zur Kaufentscheidung herangezogen werden.

Darstellung der Bereiche

Diese Werte werden graphisch in einem Balkendiagramm zusammengefasst. Auf dem Diagramm wird zuerst das obere Ende des Komfortbereichs angegeben, dann folgt die tiefste Komforttemperatur der Frau – dieser Bereich wird rot hinterlegt.

Die tiefste Komforttemperatur des Mannes wird als Nächstes angegeben – dieser Bereich wird gelb hinterlegt.

Abschließend wird die Extremtemperatur angegeben, sie gibt das untere Ende des Überlebensbereichs an – dieser Bereich wird blau hinterlegt.

Bewertung der unterschiedlichen LeistungsangabenBearbeiten

Die Kälteresistenz von Menschen hängt stark von der körperlichen Gewöhnung und vom momentanen körperlichen und psychischen Zustand der Person ab. Wer am Tag körperlicher Anstrengung, Hunger, Nässe, etc. ausgesetzt war – was zum Beispiel beim Wandern, Bergsteigen usw. regelmäßig der Fall sein kann – der wird in der Nacht weniger kälteresistent sein. Hier sollte der Schlafsack innerhalb des Roten Bereichs – dem Komfortbereich (TCom) – eingesetzt bzw. ausgesucht werden.

Unter dem praxisnäheren Nachweisverfahren der EU-Norm erreicht die Mehrzahl der Schlafsäcke nicht mehr die unter der alten DIN-Norm angegebenen überhöhten Leistungswerte.

Die US-Norm ASTM F1720 stellt das Leistungsvermögen eines Schlafsacks noch positiver dar, als dies die beiden anderen Normen tun.

Leistungsangaben militärischer Schlafsäcke erfolgen außerhalb der EU-Norm und zudem in Kombination weiterer spezifischer Ausrüstung des Soldaten. Sie geben deshalb für den zivilen Nutzer ebenfalls bei weitem zu positive Leistungswerte an. Zudem werden bei den militärischen Angaben auch noch sehr junge Männer zugrunde gelegt, weshalb – wegen der deutlich anderen Stoffwechselsleistungen – eine noch höhere Kälteresistenz des angenommenen Nutzers zugrunde liegt.

Aber auch die neue labororientierte EN wird kritisch diskutiert, da, zum Beispiel durch konstruktive Optimierung der Luftdichtigkeit der Außenhülle, im Labor sehr gute Ergebnisse erreicht werden können. Das für die Praxis jedoch ebenso relevante Verhalten des Schlafsacks bei Aufnahme von Schweiß oder der Einfluss von unruhigem Schlaf, hat auf die Leistungsfähigkeit des Schlafsacks unter dem Versuchsaufbau der Norm keine Berücksichtigung gefunden.

Kompressionsfähigkeit Bearbeiten

Die Bauschkraft der Daune bei Daunenschlafsäcken wird in cuin gemessen.

Literatur Bearbeiten

  • Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e. V.: Die optimale Schlafumgebung für Ihr Baby. Broschüre, Münster 2008.

Einzelnachweise Bearbeiten


WeblinksBearbeiten

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